Luca Bösing
Geschäftsführer E&B Gruppe
Mit GS1 Sunrise wandert der klassische EAN-Strichcode Schritt für Schritt zum 2D-Code (QR-Code oder Data Matrix). Bis 2027 sollen Kassensysteme im Handel beide Symbologien lesen können. Damit wird der 2D-Code am Point of Sale zum Standard. Für Marken heißt das: Packaging und Artwork müssen heute so aufgesetzt werden, dass der Umstieg später kein teures Neudesign erzwingt.
Warum das mehr ist als ein neuer Code
Der klassische EAN-13 trägt genau eine Information: die GTIN. Der 2D-Code trägt beliebig viele: Charge, Mindesthaltbarkeit, Herkunft, eine URL zu strukturierten Produktdaten. Damit verschiebt sich der Aufwand von der Packung in die Datenpflege. Wer seine Produktdaten zentral hält, gewinnt; wer sie über E-Mails und Einzeldateien verteilt, wird den Umstieg als Dauerbaustelle erleben.
Für Shopper entsteht gleichzeitig ein neuer Kanal: Ein Scan am Regal kann Rezepte, Allergen-Details, Nachhaltigkeits-Nachweise oder Nachbestell-Funktionen öffnen. Der Code auf der Packung wird vom reinen Kassen-Werkzeug zur Einstiegstür in die Markenwelt.
Bild KI-generiertWas sich konkret ändert
Drei Ebenen sind betroffen. Alle drei sollten früh zusammen geplant werden:
- Layout: Platz und Positionierung für den 2D-Code früh einplanen. Ein QR-Code braucht Ruhezone und Mindestgröße; nachträglich quetscht man ihn selten schön in ein fertiges Artwork.
- Daten: Produktinformationen zentral halten (PIM/DAM), damit der Code auf einen gepflegten Stand zeigt und nicht auf eine tote Landingpage.
- Compliance: Verkehrsfähigkeit und Pflichtangaben bleiben, wie sie sind. Der 2D-Code kommt dazu und ersetzt nichts davon; die Pflichtangaben müssen weiter lesbar auf der Packung stehen.
Der Code steht Jahre auf der Packung. Die Daten dahinter ändern sich jeden Monat.
Woran Sie sich beim Zeitplan orientieren können
Ein pragmatischer Fahrplan trennt Pflicht von Kür und hängt sich an ohnehin geplante Relaunches:
- Kurzfristig: Bei jedem anstehenden Artwork-Update die 2D-Ruhezone schon mitreservieren, auch wenn der Code noch nicht live geht.
- Mittelfristig: Datenquelle festlegen, die der Code adressiert (eigene Domain statt Drittanbieter-Shortlink), und Verantwortlichkeit für deren Pflege klären.
- Langfristig: Sortiment schrittweise umstellen, beginnend bei den umsatzstärksten und am häufigsten relaunchten Artikeln.
Drei typische Stolpersteine
- Der Code zeigt auf eine Kampagnen-URL, die nach sechs Monaten offline geht. Gedruckt ist er dann noch Jahre im Markt.
- Ruhezone und Kontrast werden zu knapp kalkuliert; der Code ist am Regal unter Folie oder bei schlechtem Licht nicht zuverlässig scanbar.
- Daten liegen in Silos; jede Änderung wird zur manuellen Kette statt zu einem Update an einer Quelle.
Was Sie jetzt tun sollten
Wer Relaunches ohnehin plant, sollte 2D-Readiness gleich mitdenken: ein Layout, das den Code aufnimmt, und eine Datenquelle, die ihn füttert. Dann steht der Code beim nächsten Druck schon richtig, statt später Artikel für Artikel nachgezogen zu werden.

Luca Bösing
Geschäftsführer E&B Gruppe
Fragen zum Thema? Sprechen wir darüber.
